Soft Skills im Projektmanagement: Die People-Kompetenzen der IPMA®
Soft Skills bestimmen, wie Projektverantwortliche mit Teams, Auftraggebern und Stakeholdern umgehen. Dazu gehören unter anderem Kommunikation, Führung, Teamarbeit, Konfliktfähigkeit und Verhandlungskompetenz. Im IPMA® Kompetenzmodell ICB4 werden diese Fähigkeiten als Persönliche und Soziale Kompetenzen (People) zusammengefasst. People bildet neben Practice und Perspective einen der drei Kompetenzbereiche. Damit wird deutlich: Professionelles Projektmanagement besteht nicht nur aus Methoden und Werkzeugen. Entscheidend ist auch, wie diese in konkreten Projektsituationen eingesetzt werden.
Welche Soft Skills gehören zum IPMA® Projektmanagement?
Die ICB4 unterscheidet im Bereich People zehn Kompetenzelemente:
- Selbstreflexion und Selbstmanagement: das eigene Verhalten bewusst steuern
- Persönliche Integrität und Verlässlichkeit: glaubwürdig und verbindlich handeln
- Persönliche Kommunikation: klar vermitteln und aktiv zuhören
- Beziehungen und Engagement: tragfähige Zusammenarbeit fördern
- Führung: Orientierung geben und Verantwortung übernehmen
- Teamarbeit: Zusammenarbeit im Projektteam stärken
- Konflikte und Krisen: Spannungen erkennen und konstruktiv bearbeiten
- Vielseitigkeit: flexibel auf unterschiedliche Situationen reagieren
- Verhandlungen: Interessen ausgleichen und Vereinbarungen erreichen
- Ergebnisorientierung: Handlungen konsequent auf Ergebnisse ausrichten
In der Projektpraxis wirken diese Kompetenzen meist zusammen.
Mehr zum IPMA® Kompetenzmodell ICB4
Soft Skills und Methodenkompetenz gehören zusammen
Soft Skills ersetzen keine Projektmanagementmethoden – und Methoden keine sozialen Kompetenzen. Fehlen beispielsweise wichtige Ressourcen, muss die Projektleitung zunächst die Auswirkungen auf Termine und Projektziele einschätzen. Gleichzeitig gilt es, mit Fachbereichen oder Auftraggebern zu kommunizieren und Lösungen auszuhandeln.
Die drei IPMA® Kompetenzbereiche greifen deshalb ineinander:
- Practice: Projekte planen und steuern
- People: Menschen führen, einbinden und mit ihnen zusammenarbeiten
- Perspective: den organisatorischen Kontext berücksichtigen
Professionelle Projektarbeit entsteht aus dem Zusammenspiel dieser Perspektiven.
Welche Soft Skills helfen im Projektalltag?
Wie wichtig persönliche und soziale Kompetenzen sind, zeigt sich besonders in konkreten Situationen:
- Der Auftraggeber fordert einen früheren Termin.→ Kommunikation und Verhandlung
- Zwei Fachbereiche verfolgen unterschiedliche Interessen. → Konfliktkompetenz und Verhandlung
- Das Projektteam verliert an Motivation. → Führung und Teamarbeit
- Die Projektleitung steht selbst unter hohem Druck. → Selbstreflexion und Selbstmanagement
- Eine unerwartete Situation erfordert einen neuen Lösungsweg. → Vielseitigkeit und Ergebnisorientierung
Soft Skills sind damit keine Zusatzqualifikation neben der eigentlichen Projektarbeit. Sie werden unmittelbar benötigt, um typische Projektsituationen professionell zu bewältigen.
Mit wachsender Verantwortung steigen auch die Anforderungen
Die People-Kompetenzen gehören nicht ausschließlich zu einem bestimmten IPMA® Level. Kommunikation, Teamarbeit oder Selbstmanagement sind bereits beim Einstieg in die Projektarbeit relevant. Mit wachsender Verantwortung werden jedoch auch die Situationen anspruchsvoller. Wer komplexere Projekte führt, muss beispielsweise unterschiedliche Interessen moderieren, Teams steuern, Konflikte lösen und Entscheidungen gegenüber verschiedenen Stakeholdern vertreten.
Welche IPMA® Qualifizierung zur eigenen Projekterfahrung und Verantwortung passt, erklären wir auf unseren jeweiligen Level-Seiten.
Mehr zu IPMA® Level C und den Voraussetzungen
Lassen sich Soft Skills trainieren?
Ja, allerdings nicht allein durch theoretisches Wissen. Persönliche und soziale Kompetenzen entwickeln sich vor allem durch Anwendung, Reflexion und Feedback.
Hilfreich sind beispielsweise:
- schwierige Gespräche und Verhandlungen üben
- konkrete Projektsituationen reflektieren
- Feedback zum eigenen Verhalten erhalten
- unterschiedliche Perspektiven einnehmen
- Erfahrungen aus Projekten auswerten
Ein Kommunikationsmodell zu kennen ist deshalb nur der erste Schritt. Entscheidend ist, es in der passenden Situation anwenden zu können.
Sind Soft Skills und Change Management dasselbe?
Nein. Soft Skills sind persönliche und soziale Kompetenzen von Projektverantwortlichen. Sie werden in unterschiedlichsten Projektsituationen benötigt. Change Management beschäftigt sich dagegen gezielt damit, Menschen und Organisationen durch Veränderungen zu begleiten.
Beide Bereiche überschneiden sich beispielsweise bei Kommunikation, Führung oder dem Umgang mit Widerstand. Eine Projektmanagement-Qualifizierung ersetzt deshalb jedoch keine eigenständige Change-Management-Weiterbildung.
Mehr über Change Management erfahren
Fazit: Gute Projektarbeit braucht Methode und Menschen
Projektverantwortliche müssen planen und steuern können. Gleichzeitig müssen sie kommunizieren, Interessen ausgleichen, Teams unterstützen und mit schwierigen Situationen umgehen. Die IPMA® ICB4 trägt diesem Zusammenspiel mit den drei Bereichen Practice, People und Perspective Rechnung. Persönliche und soziale Kompetenzen sind damit kein Zusatz zum Projektmanagement, sondern ein fester Bestandteil professioneller Projektarbeit.
Projektmanagement-Kompetenz ganzheitlich entwickeln
In den IPMA® Projektmanagement-Weiterbildungen bei REUTER Management Training werden methodische, persönliche und kontextbezogene Kompetenzen gemeinsam betrachtet.
Ihre Erfahrung kann der Einstieg ins Projektmanagement sein
Artikel lesen
Wertschätzende Kommunikation und Feedbackkultur im Projektmanagement (IPMA®): Schlüsselkompetenzen für erfolgreiche Projekte
Artikel lesen